EuroDIG: Das europäische Internet von morgen gestalten und die .eu-Domain feiern

EuroDIG: Das europäische Internet von morgen gestalten und die .eu-Domain feiern

Am 26. und 27. Mai 2026 fand in Brüssel die 19. Ausgabe des European Dialogue on Internet Governance (EuroDIG) statt. Veranstaltungsort war das Charlemagne-Gebäude der Europäischen Kommission. Organisiert wurde die Konferenz von EURid, der Verwaltungsstelle der europäischen Top-Level-Domain .eu. Die diesjährige Ausgabe stand ganz im Zeichen des 20-jährigen Jubiläums der Einführung der Domain .eu. Unter dem Motto „European Voices for the Future of the Internet“ kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Internet-Governance-Organisationen, der Tech-Industrie, der Forschung sowie der Zivilgesellschaft zusammen. Im Mittelpunkt standen die großen Herausforderungen der digitalen Zukunft Europas, über die in verschiedenen Formaten diskutiert wurde.

Die EuroDIG fand dieses Jahr im Gebäude der Europäischen Kommission statt.

Die EuroDIG fand dieses Jahr im Gebäude der Europäischen Kommission statt.

Die zweitägige Tagung begann mit einem Thema, das im aktuellen geopolitischen Kontext von entscheidender Bedeutung ist: dem europäischen digitalen Backbone. Damit sind die kritischen digitalen Infrastrukturen gemeint, die die Europäische Union aufbauen oder zusammenführen möchte, um ihre Abhängigkeit von US-amerikanischen und chinesischen Tech-Giganten zu verringern. Dazu zählen Glasfaser- und Unterseekabelnetze, Cloud-Infrastrukturen, Rechenzentren, KI-Systeme, Internetverbindungen, Cybersicherheitslösungen, Datenplattformen und digitale Dienste.

Im Zentrum standen zwei europäische Initiativen:

  • das Gaia-X-Projekt
  • die neuere Initiative EuroStack

Beide verfolgen das Ziel, ein souveränes und widerstandfähiges digitales Ökosystem in Europa zu schaffen.

Gaia-X soll eine sichere, interoperable Cloud- und Dateninfrastruktur schaffen, die europäischen Standards entspricht und eine gemeinsame Nutzung ermöglicht. EuroStack geht noch weiter und zielt darauf ab, einen umfassenden europäischen Technologie-Stack aufzubauen, der die EU in mehreren Schlüsselbereichen unabhängiger macht:
Halbleiter, Konnektivität, Cloud, KI, Plattformen, Software, digitale Identitäten, öffentliche digitale Dienste und Cybersicherheit.

Zur Unterstützung dieser Vorhaben und zur Stärkung des regulatorischen Rahmens stellte Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie, das sogenannte „Tech Sovereignty Package“ vor. Dieses sektorübergreifende Gesetzgebungs- und Industriepaket soll die technologische Autonomie der Europäischen Union in besonders sensiblen digitalen Bereichen stärken.

Die zentralen Themen des Forums – darunter souveräne Cloud-Lösungen, vertrauenswürdige KI, Infrastruktursicherheit, Cybersicherheit, europäische digitale Identität sowie Daten-Governance und strategische Autonomie – spiegeln die Prioritäten dieses Pakets direkt wider. Virkkunen betonte zudem, dass die Kontrolle über Daten ein zentraler Baustein digitaler Souveränität sei, und sprach sich für eine Speicherung bei europäischen Anbietern innerhalb der EU aus. Dies ist besonders relevant, wenn man bedenkt, dass rund 70 Prozent des weltweiten Cloud-Markts derzeit von Amazon, Google und Microsoft kontrolliert werden.

Henna Virkkunen, Executive Vice President für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie

Henna Virkkunen, Executive Vice President für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie.

Im Bereich der Quantentechnologien wurden aktuelle Forschungsthemen und technologische Fortschritte vorgestellt. Die EU investiert hier insbesondere über das seit 2018 laufende Förderprogramm „EU Quantum Flagship“ in die Forschung.

Im Bereich der Künstlichen Intelligenz stand vor allem der Wunsch nach souveränen KI-Systemen im Mittelpunkt. Gleichzeitig wurde betont, dass diese Technologie, die in unserem Alltag immer stärker präsent ist, kritisch begleitet werden sollte.

Europa hat sich auch mit der Domain .eu entwickelt und feierte deren 20-jähriges Jubiläum.

EuroDIG machte deutlich, dass die EU in vielen Bereichen die Initiative ergreift, um Europa in einer unsicheren Welt widerstandsfähiger zu machen und seine Eigenständigkeit im Bereich der Internettechnologien zu stärken. Diese Initiativen müssen jedoch von den Mitgliedstaaten und den Bürgerinnen und Bürgern, aus denen sich die Europäische Union zusammensetzt, aktiv getragen und weiterentwickelt werden.

Zu den Erfolgen, die in der europäischen Öffentlichkeit gut aufgenommen wurden, zählt unter anderem die paneuropäische digitale Identität sowie die .eu-Domain. Diese wurde am 7. Dezember 2005 eingeführt und zählt heute rund 3,8 Millionen registrierte Domains bei einer Verlängerungsrate von etwa 81 Prozent – ein Zeichen für eine stabile und treue Nutzerbasis. Die Endung gehört damit weltweit zu den zehn größten geografischen Top-Level-Domains (ccTLDs) und ist dank der Varianten .ею (kyrillisch) und .ευ (griechisch) auch in den verschiedenen Schriftsystemen der EU verfügbar.

Peter Janssen, General Manager von EURid, betonte den Grundgedanken der .eu-Domain: „Die .EU steht für einen offenen, sicheren und den demokratischen Werten verpflichteten Namensraum im Internet.“

EuroDIG wies darauf hin, dass das europäische Internet sowohl in Bezug auf die Infrastruktur als auch auf technologischer Ebene nach wie vor stark von Drittstaaten abhängig ist und dass die Lösung auch nicht in einer geografischen Abschottung liegt. Das gestiegene Bewusstsein sowie die verschiedenen aktuellen Initiativen und Maßnahmen sind in einer zunehmend fragmentierten und instabilen Welt zu begrüßen. Auch wenn Nameshield seine Lösungen stets im Sinne eines souveränen europäischen Ansatzes vorangetrieben hat, ist dies eine Gelegenheit, daran zu erinnern, dass Domainnamen und das DNS zentrale Elemente der digitalen Strategie von Unternehmen sind. Der Aufbau von Souveränität erfordert eine fundierte Auswahl der Partner und die Einführung von Lösungen, die einer Politik der digitalen Unternehmenssouveränität dienen. Ein aktuelles Thema ist die Brand TLD, eine von Nameshield angebotene Lösung, die zu diesen Lösungen zählt.

Autor: Arnaud Wittersheim

Head of Operations Department Nameregistry - Compliance - Nameshield